TanzNetzDresden

Linie 08 März 2017

Rencontre - Martina Morass & Johann-Christof Laubisch Entlang des Weges - Reimo Sandau


Rencontre

Ein Mac, ein Mann, eine Frau, vielmehr braucht es nicht auf der Bühne in dem Stück Rencontre von Martina Morasso und Johann- Christof Laubisch. Ein Tanz zweier gegensätzlicher Mentalitäten, der in Annahme und Weichheit mündet, und in eine gemeinsame Sprache fließt.

Rencontre lässt hart und weich, laut und leise, fein und grob, aufeinander treffen. Alle Facetten des Alltags, und damit auch der Tiefe des Lebens, bekommen eine Form, einen Klang, eine Bewegung. Johann-Christof Laubisch verkörpert die Härte der Straße, im Rap wirkt alles wie auf Kopfsteinpflaster: Sprache, Körper, Musik. Das absolute Gegenstück dazu ist Martina Morassos Präsenz: eine metaphysische Leichtigkeit, verkörpert in virtuosen Bewegungen zu Federico Albaneses schwebenden Klavierklängen.

rencontre//Johann-Christof Laubisch/Martina Morasso 

Charme bekommt das Stück in seiner Offenheit einem Genre gegenüber, dass üblicherweise nicht mit klassischem oder zeitgenössischen Tanz zu erleben ist: dem Rap. Im Umgang mit Sprache und Bewegung bewusst facettenreich, wird alles weich wenn Morasso beginnt, als Antwort auf Laubischs Rap über sein Leben zwischen Straße und Tagesjobs, ihre Stimme einzusetzen. Das anfängliche Gegeneinander zweier kultureller Hintergründe beginnt sich füreinander zu öffnen, wird zu einem Miteinander, wobei der Rapper schließlich in den Armen der Tänzerin zum ersten mal Weichheit zu erfahren scheint, nachdem ihre luftige, unversehrte Figur im rehbraun schimmernden Kleid all ihre körperliche und stimmliche Kraft gegen ihn aufgewendet hat, um ihren Raum auf der Bühne zu verteidigen. "Wir sprechen doch alle die selbe Sprache"- in den Worten treffen sich beide schließlich, verlassen die Bühne gemeinsam, und geben dem Publikum einen ordentlichen Rap-Ohrwurm mit. Ein treffendes Statement für Offenheit und Toleranz mit dem Fremden, nicht nur in Dresden!

rencontre//Johann-Christof Laubisch/Martina Morasso 

____

Entlang des Weges

Was ist der Körper, was, wenn wir seine Ebenen, und die unserer Wahrnehmung verschieben? Reimo Sandau löst auf, überlagert, trennt, fügt neu zusammen. Sprache, Körper, Raum, Zeit, Bewusstsein. Wie mit einer Lupe lenkt er den Blick auf oft übersehene Details und "Nebensächlichkeiten", auf momenthafte Gesten, auf Zeichnungen und Risse an der Wand.

entlang des weges // reimo sandau - buehnenelemente 

Der Raum ist dominiert von kreuz und quer verteilten Elementen der Zuschauerränge, gestapelt, geschachtelt, gelegt. Das Publikum besetzt sie, nimmt Ebenen ein, wird selbst zum Teil der Installation. Ein Bildschirm wie schwebend über der Situation zeigt Bilder von Bewegung, Körper, Dinge, Wind. Sandau selbst wird sichtbar, wenn er über die verschiedenen Körperebenen wie in einem wissenschaftlichen Vortrag spricht. Nur scheint alles wie durch mehrere Schichten aus Glas, oder Luft, traumhaft könnte man sagen. Eine Projektion wirft Bilder des Raumes an die Wand, Überlagerungen von Raum und Zeit. So sehen wir uns selbst dort, wie wir vor einem Moment noch da drüben gesessen haben. Wir sehen Elemente der Wand, vergrößert. Wir sehen den Raum, wie er war als wir nicht da waren, wie er sein wird, wenn wir gegangen sind. Ein zweiter Bildschirm gegenüber macht momenthafte Wahrnehmung der Situation in Tweets lesbar, eine Öffnung zur Welt hin. Da sind die zwei Performer, Reimo Sandau und Valentina Cabro, wortlos gehen sie in Kontakt mit einzelnen Sitzenden, Stehenden, führen sie durch den Raum, positionieren sie in dem System aus Menschen, Dingen, Worten, Bildern. Das Publikum hat die Freiheit Positionen zu wechseln, Ebenen auszutesten. Die Bewegung im Raum bleibt trotzdem vor allem bei den Bildern auf dem Bildschirm, der Projektion, und den Bewegungen von Cabro und Sandau. Nach und nach wagen es Einzelne aus dem Publikum, und beginnen zu experimentieren, durch den Raum zu gehen, oder ihre Körper gar unter die Elemente im Raum zu schieben.

entlang des weges // reimo sandau - von unten nach oben 

Sehr subtil und fein arrangiert Reimo Sandau einen Raum, in dem wir staunende Beobachter unserer selbst werden. Man muss sich einlassen auf diesen Ort, der das Bewusstsein weitet für das eigene Tun, das eigene Sehen, oder Nicht-Sehen der Dinge um uns herum. Herausfordernd und spielerisch zugleich kommt diese Installation, in der wir einfach forschen, erforschen können auf welcher Ebene wir uns befinden, von wo aus wir sehen und der Andere uns sieht. So erscheint der plötzliche Spot auf das Zentrum der Situation auch nicht wie ein Spot auf der Bühne, vielmehr erhellt er einen Moment, das Jetzt, das es immer nur einmal gibt, in seiner ganzen Zufälligkeit. Schön wäre es, ihn öfter betreten zu können, diesen Ort der Reflexion, der etwas von Wind über dem See hat, der das Wasser kräuselt, sodass das klare Spiegelbild Wellen schlägt.

entlang des weges // reimo sandau - heinrich 

  

 

 

 

 

 

Text von Heidi Morgenstern

Recontre

Linie 08
3./4. März 2017
Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden

Konzept, Tanz, Rap, Texte:
Johann-Christof Laubisch, Martina Morasso

Text/Musik:
Texte von Johann-Christof Laubisch/Martina Morasso
Federico Albanese, Disclosed, aus: The Houseboot and the Moon
Raf Camora+Bonez Mc, Skimaske (Instrumental) aus: Palmen aus Plastik
Federico Albanese, My Piano Night, aus: The blue Hour (abstract 00:00 bis 00:36)
MHD-Afro Trap Part 4, Fais le mouv aus: MHD
Ernik Beats

 

 

 

 

 
 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text von Heidi Morgenstern

Entlang des Weges

Linie 08
3./4. März 2017
Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden

Künstlerische Leitung: Reimo Sandau
Performance: Reimo Sandau, Valentina Cabro
Performance Bildsequenz: Stefan Urlass
Performance Twitter: Steffen Peschel
Sound/Videokomposition: Reimo Sandau