TanzNetzDresden

LINIE 08 expanding

Das wars, tschüss, aus, vorbei. Die letzte LINIE08- ein fulminates Programm zum Abschluss dieses Formats von TanzNetzDresden und EZK Hellerau.


LINIE08 EXPANDING

Ein Abend, ein Rundgang.

Das Haus ist groß, obwohl viele Leute da waren, die schnell die kleinen Aufführungsräume füllten, wirkt es ein wenig leer da oben im Norden. Es war ein schöner Abschluss und vor allem- was die LINIE 08 immer auszeichnete- sehr vielseitig.

Ich- Magdalena- habe mich umgehört. Ich wollte Stimmen sammeln bei diesem letzten LINIE 08 Wochenende. Viele Stimmen sind es nämlich, die ein Publikum ausmachen und unsere Kunst vielseitig bleiben lässt. Was dem/der einen nicht gefällt, begeistert vielleicht jemand anderen... ganz sicher ist das sogar so! Das ist ein assoziativer und kollektiver Text, es steht quasi alles in Anführungszeichen. Ein Mix aus Zitaten der Zuschauenden, viele Stimmen vereint, deshalb kontrastreich oder auch konträr, wohlwollend und auch kritisch- alles dabei!

 

ALLTAGSARSENALE / Franzi Kusebauch

Rote Tücher von der Decke. Ausprobieren! So etwas mag man sich sofort ins Wohnzimmer hängen, das macht sichtlich Spaß, hier müssen wir nicht nur zuschauen. Ein Trio, das vom Publikum gerne musikalisch begleitet werden mag. Hat in diesem Fall nur mäßig geklappt, denn nachdem zu einem begabten Gitarristen mit ungestimmter Gitarre eine Tastendrückerin am Klavier dazukam, war die Gitarre raus, schade. Das Trio ging trotzdem in die Luft, immer wieder Plätze tauschend wurde gewickelt, gerutsch, gefallen, gewühlt. Zirkus. Leichtigkeit. Das begeistert schnell, so eine Nummernakrobatik, da mag man klatschen. Haben wir auch gemacht.

franzi

 

 

EINHAUSEN/ Daniela Lehmann

Eine Puppenstube. Zwei Tänzerinnen. Eine Musikerin. Eine Videokünstlerin. Vier bunte XXL Pullover, fast schon ein Zuhause, den Knien zumindest. Das Instrument, ein Hackbrett, wirkt hier fast fremd. Ich bin großer Fan, aber auch Freundin. Das Duett verspielt, kontaktfreudig, mal langsam und sanft, mal rauer. Irgendwie heile Welt, fast Heidi, und im nächsten Moment politisch wenn sich der Pulli der Kollegin über den Kopf stülpt und sie zur Integration zwingt. Denn wir haben alle eine Form, in XXL, nur unterschiedliche Farben. Meine Augen, meine Sicht, ein Fenster und du siehst mich nicht. Eine leere Wohnung ist schlimm. Das Video verhilft zum Perspektivwechsel und hat ganz stark die Ästhetik und Qualität einer Überwachungskamera. Es wäre schlimmer, wenn die Wohnung leer wäre und man keine Erinnerung hätte. Aber die hat man, also ist die Wohnung voll, vor und nach dem Umzug, nur dass hier der Erinnerungsort in einem anderen Kopf ist.

Einhausen D.Lehman / c Peter R Fiebig 

 

Cosmicomics/ Martina Morasso

Was ein schöner Start: gemeinsames Singen, summen, brummen. Gehört das schön dazu? Nein, es war wohl nur ein Überbrückungschor. Die "Chorleiterin" hat etwas clownesques und das behält sie für die anschließende Performance bei: mehr Clownerie, als Comic ist das Ganze, neben dem kleinen schwarzen Ernst Martina Morasso. Hier ist es konzentriert. Erst Einzeller, dann tanzender Urknall, kommentiert von der Mimik über einem gelben Kostüm. Mh. Ich bin die Falsche die du fragst, ich kann so was nicht sehen. Andere wohl schon, die Augen sind offen. Ich kann es gut hören, die Hang und die Klangschalen. Es lebt von der Verschiedenartigkeit der Akteure. Du hast nichts verpasst. Doch: klein, eng und peng.

cosmicomics/ M. MOrasso/  c Peter R Fiebig

 

lost in creation #4/ Anna Till

Das ist konsequent. Hier könnten wir einen Punkt machen, so konsequent. 20 Minuten auf der Halswirbelsäule im schwachen Licht. Im All. Das ist ein Alien. Wer genau hinsieht, der sieht Mensch, aber die Konsequenz der Position schafft eine Milchstraße der Assoziationen. Irgendwann hatte sie mich. Ein großes Gesicht auf dem nackten Rücken, Mimik die von den Gesten der Hände untermalt wird. Es ist ein riesiger Kopf, der bis zum Hals im Schlamm steckt. Ich sehe einen Tintenfisch mit langen Armen, ein Baby mit überdimensionalem Kopf auf dem Bauch zappeln. Ein nacktes Huhn, etwas Krankes, eine Puppe, eine Spinne. I enjoyed.

lost/ Anna till/ peter r fiebig.jpg

 

Rumichaca Vol. 2/ JuWie dance company

Popcorn ist die ganze Welt, oder zumindest die halbe. Die Bilder sind interessant, stark. Die Bilder sind klischee. Die Bilder sind Bilder. Es ist ein wenig eine Daniel Williams Show, aber die Schaukel, die ist großartig. Chaca! Es macht Spaß den Mädels zuzusehen, viel von allem, auch von der Musik. Die Performerinnen überzeugen uns, im Kopf föhnt es am Ende ein wenig wie eine Popcorn-Maschine. Was haben wir da gerade alles gesehen? ...Popcorn! Und das regnete sogar von oben und das war toll, denn wir hatten Hunger.

 

 

variations_on Mary/ the guts company

Das war nix, gar nix. Das war was, nämlich clean und ästhetisch ganz guts. Ich mag das. Tanzen ohne Musik ist für mich als Laie echt ungreifbar. Da ist nur der Herzschlag, dieses Klopfen, das manchmal aussetzt. Vielleicht doch kein aussetzender Herzschlag, sonst tot. Es ist eine Raumerfahrung. Der Raum wird erst durch uns, das Publikum. Die Tänzerinnen, zwei, tragen Gesten zu uns. Es gibt viele abrupte Situationswechsel. Sie laufen, rennen, stolpern, rangeln. Ist das alles spontan, oder einstudiert? Ich habe gesehen, wie sie sich auf die Füße getreten haben. Johannas Stimme weckt keine Babies, alles ist blass und geduldig. Wir lernen schon früh zu interpretieren und da gibt es richtig oder falsch. Hier habe ich einfach nur zugeschaut, ohne zu interpretieren.

 

Whispering Widows/ Yamile Navarro

Über den Tod, den Verlust und dessen Loslassen. Der Tod ist eine Frau, oder auch drei, zumindest auf der Bühne und das sieht auf den Bildern toll aus...aber
pech ist, dass ich, Magdalena, das ganze zwei Mal verpasst habe und somit auch keine Stimmen gesammelt habe, die ich zu einem Text verweben konnte. YAMILE nochmal großes pardoooon. Hoffentlich hast du LeserIn es live gesehen!!

 widows/ yamile/ peter r fiebig.jpg

 

Und zwei Rezensionen gab es natürlich auch...

von RICO STEHFEST bei tanznetz.de

und von BORIS GRUHL in der DNN

 

 

 

 

 

Ein kollektiver Text, Zitate der Zuschauenden
zusammengefasst von Magdalena Weniger

Bilder von Peter R. Fiebig