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»Kürzungen treffen Menschen« • TNDD-Statement zum sächsischen Doppelhaushalt 2027/28

Mit großer Sorgen und Verunsicherung verfolgt auch das TanzNetzDresden die Ereignisse im Zuge der Planung des sächsischen Haushaltes für die Jahre 2027 und 2028, welche unter anderem massive Kürzungen im Bereich Kunst und Kultur beabsichtigt. Um konkret die Haltung und das Anliegen der Freien Szene zu verdeutlichen, um haben wir das folgende Statement entwickelt und veröffentlicht, dem sich nicht nur der Vorstand des TanzNetzDresden und seine Mitglieder:innen, sondern auch zahlreiche weitere Kulturschaffende, Künstler:innen, Choreografinnen, Tänzerinnen angeschlossen haben.

»Kürzungen treffen Menschen«

Das verfasste Statement zur Situation soloselbstständiger Tanzschaffender ist ebenso an einzelne Mitglieder:innen des sächsischen Landtages geschickt worden, um auch auf direkten Wege auf die Sorgen und die Anliegen der Freien Szene hinzuweisen und zugleich zu verdeutlichen, welche Konsequenzen die beabsichtigten Kürzungen hätten. Sowohl für das künstlerische Angebot der Stadt Dresden, das Renommee der Stadt Dresden in punkto Tanz, aber vor allem auch welche Bedeutung die Kürzungen für das Arbeiten und Leben all jener Künstler:innen hätte, die in der Freien Szene aktiv sind und ihr die Lebendigkeit und Qualität verleihen, mit der sich die Stadt auch gern schmückt und die wiederum weit über die Stadt hinaus Strahlkraft und Bedeutung besitzt.

Lebendigkeit durch Fairness und zuverlässige Förderung. Der Standpunkt der Freien Szene in Dresden.

Als TanzNetzDresden vertreten wir seit 2010 die Interessen der freien Tanzschaffenden in Dresden. Wir sprechen für eine Szene, die überwiegend nicht über feste Stellen, institutionelle Budgets oder langfristige Absicherung verfügt. Die von uns repräsentierten Tänzer:innen, Choreograf:innen und Performer:innen arbeiten soloselbstständig, projektbezogen und häufig mit wechselnden Kooperpartionspartner:innen und Institutionen.

Die aktuellen Haushaltsplanungen des Freistaates Sachsen betreffen deshalb unmittelbar unsere Arbeits- und Lebensgrundlagen. Einerseits direkt, da in Zukunft weniger Mittel an freie Künstler:innen und Kollektive über Förderungen wie die der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen fließen könnten. Aber auch indirekt, weil genau jene Häuser, an denen die Künstler:innen der freien Szene aktiv tätig sind und sichtbar werden, ebenfalls unter den Kürzungen leiden würden.

Freie Tanzschaffende finanzieren ihre künstlerische Arbeit aus Projektförderungen, Stipendien, Gastspielen, Lehraufträgen und anderen selbständigen Tätigkeiten. Produktionen entstehen meist aus einer Mischfinanzierung von Stadt, Land, Bund und weiteren Förderern. Fällt ein Förderbaustein weg, reduziert sich nicht einfach nur ein Budget. Im schlimmsten Fall kann eine Produktion insgesamt nicht stattfinden, weil notwendige Kofinanzierungen fehlen. Konkret bedeuten Kürzungen für unsere Situation: weniger bezahlte Recherche- und Probenzeit, weniger Aufträge für Tänzerinnen und Choreografinnen, weniger Produktionen und weniger Möglichkeiten, künstlerische Arbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Die Folgen: weniger Kunst und weniger Sichtbarkeit der Freien Szene. In Dresden. In der Region. Und auch national. Eine solche Entwicklung würde einreißen, was jahrzehntelang gemeinsam mit den wirkungsvollen Förderstrukturen des Freistaat Sachsen aufgebaut wurde und neben dem künstlerischen auch den gesellschaftlichen Beitrag gefährden, den der Tanz in und für Dresden leistet.

Explizit die vergangenen Jahre als Dresden 2025 das Debüt des Tanzjahres (eine Fortsetzung ist bereits für 2027 geplant) sowie 2026 die Tanzplattform ausrichtete und bei beiden Anlässen eine lebendige Freie Szene präsentieren konnte, zeigt, welche Strahlkraft und Qualität performative und tänzerische Arbeiten der Landeshauptstadt besitzen.

Kürzungen in der freien Szene treffen Menschen.

Kürzungen der Mittel für Institutionen von Kunst und Kultur gefährden die Arbeit jener Einrichtungen. Eine Kürzung der Mittel der Freien Szene gefährdet direkt die Menschen, die in ihr arbeiten. Es ist uns daher wichtig, dass nicht nur über die Förderung von Institutionen gesprochen wird – die zweifelsohne wichtig ist – sondern dass auch die Anliegen der Künstler*innen Gehör finden, die diese Kunst überhaupt erst hervorbringen.

Faire Arbeitsbedingungen und angemessene Honorarstandards sind hierbei zentrale Eckpfeiler, die in den letzten Jahren hart erkämpft wurden und die mit einer Kürzung finanzieller Mittel unmittelbar erneut zur Disposition stünden.

In diesem Zusammenhang ist es uns wichtig, dass der Freistaat Sachsen und seine Kommunen die Verantwortung nicht gegenseitig verschieben. Dresden kann Ausfälle auf Landesebene nicht beliebig kompensieren. Gleichzeitig braucht eine Landesförderung starke kommunale Strukturen, damit Projekte überhaupt entstehen und zusätzliche Mittel eingeworben werden können.

Auf die Freie Szene umgemünzt bedeutet das: eine lebendige Tanzlandschaft entsteht nicht allein durch Spielstätten, Festivals und Institutionen. Sie entsteht durch Menschen, die tanzen, choreografieren, recherchieren, vermitteln und produzieren – und die von dieser Arbeit leben können müssen.

Als TanzNetzDresden setzen wir uns deshalb für genau jene verlässlichen Förderbedingungen ein, die soloselbstständigen Tanzschaffenden eine professionelle Existenz ermöglichen und bitten die Entscheidungsträger:innen eindringlich, diesem Anliegen in der aktuellen Debatte um den geplanten Doppelhaushalt Sachsen für 2027/28 Gewicht zu verleihen.

Unterzeichnende

Die Vorständinnen des TanzNetzDresden e.V.
Daniela Lehmann (Choreografin)
Natalie Wagner (Choreografin)
Anna Till (Choreografin / Tänzerin / Artistic Director) / situation productions
Johanna Roggan (Choreografin / Kuratorin / Netzwerkerin / Kulturschaffende)
Charles A. Washington (Tänzer / Choreograf / Artistic Director) / Pinkmetalpetal Productions
Jack Bannerman (Choreograf)
Katja Erfurth (Tänzerin / Choreographin)
Jule Rottluff (Tänzerin, Artistic Director) / ABOUT BLANK Collective
Romy Schwarzer (Tänzerin / Choreografin) / the guts company
Yamile Anaid Navarro Luna (Tänzerin / Choreografin)
Yuexuan Gui (Tänzerin / Choreografin)
Gabriella Lemma (Tänzerin / Performerin / Tanzpädagogin)
Malte Leonard Herz (Tänzer / Student)
Caroline Beach (Choreografin / Performerin)
Kornelija Aleksaitė (Tänzerin / Performerin)
Diana Gill (Tänzerin / Tanzpädagogin)
Mounir Saeed (Choreograf / Performer) / Anubis&Else
Alina Lucifero (Tänzerin / Tanzpädagogin) / Heinrich-Schütz-Konservatorium
Susan Schubert (Kulturschaffende) / go plastic company / TENZA
Cindy Hammer (Tänzerin / Choreografin / Artistic Director) / go plastic company
Victoria Henneberg (Tänzerin / Choreographin / Referentin)
Anne Dietrich (Tänzerin / Choreografin) / TanzART Company / Yenidze Theater
Helena Fernandino (Tänzerin / Choreografin) / KulturOrt Heymannbaude
Seraphine Detscher (Tänzerin / Choreografin / Tanzpädagogin) / 4roomsCompany
Makhina Dzhuraeva (Tänzerin / Performerin)
Rika Yotsumoto (Tänzerin / Choreografin)
Fang Yun Lo (Choreografin / Artistic Director ) / Polymer DMT
Justine Rouquart (Tänzerin / Choreografin / Tanzpädagogin)
Magdalena Weniger (Tanzschaffende / Performerin)
Antje Gruner (Tanzpädagogin)
Joao Pedro de Paula (Choreograf / Tänzer)
Vivian Loridana Walter (Tänzerin)
Valeria Bobke (Tänzerin)
Heike Zadow (Kulturschaffende)


Eine PDF Version unseres Statement gibt es hier zum Download.


Wir möchten an dieser Stelle außerdem betonen, dass wir uns dem kürzlich veröffentlichten Statements der freien Produktionshäuser und Spielstätten für die Darstellenden Künste in Sachsen sowie des Deutschen Bühnenvereins, Landesverband Sachsen ausdrücklich anschließen und darin aufgeführten Positionen ausdrücklich unterstützen.


Header-Foto: „Dresden tanzt!“ – der Welttanztag des TanzNetzDresden, 2026; Fotograf: André Wirsig

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